Lapas attēli
PDF
ePub

Die Reste dieses Planes sind unter Pius IV. (1559--1565) um 1563) von Antonio Dosi zu Füssen der Wand gefunden worden, an der er einst befestigt war. Sie ist im ganzen wohl erhalten, man sieht noch jetzt darin die Löcher für die zur Befestigung der Marmortafeln dienenden Eisen und erkennt die Anordnung der in ihren Massen stark (von 0,70 bis 1,18 m Höhe und 1,70-2,25 m Breite) schwankenden Tafeln (Abbildung bei Jordan, Forma Urbis Taf. XXXV). Die Fragmente kamen in den Besitz der Farnese und wurden in ihrem Palaste aufbewahrt. Entweder von A. Dosi selbst oder auf Ursinus' (1529-1600) Veranlassung, jedenfalls bald nach ihrer Auffindung, wurden von den hauptsächlichsten Stücken (92) Zeichnungen gefertigt, die später einen Teil des Sammelbandes ausmachten, der aus der ursinischen in die vatikanische Bibliothek gelangt ist und dort unter Nr. 3439 aufbewahrt wird. Der Anfertiger der Zeichnungen hat mit Glück mehrere der Fragmente zusammengesetzt. Bellori, der im Jahre 1673 die erste Ausgabe der Fragmente machte, benutzte dazu in erster Linie die vatikanischen Zeichnungen, da von den Steinen schon damals eine Anzahl nicht mehr vorhanden war. Im Jahre 1742 wurden die Fragmente aus dem farnesischen Palaste in das kapitolinische Museum geschafft und dort an den Treppenwänden in der Anordnung der bellorischen Ausgabe auf zwanzig Tafeln angebracht. Dabei wurden diejenigen Fragmente, welche schon Bellori nur aus den vatikanischen Zeichnungen kannte, oder die noch nach ihm abhanden gekommen waren, nach seiner Ausgabe ergänzt und sind durch einen Stern bezeichnet. Den zwanzig Tafeln wurden noch sechs andere mit kleineren, von Bellori nicht beachteten Fragmentbrocken hinzugefügt. Seitdem sind mehrere Funde gemacht worden: Im Jahre 1867 wurden durch Tocco, ebenfalls zu Füssen der Nordwand von SS. Cosma e Damiano, einige Fragmente gefunden, darunter das die Porticus Liviae enthaltende; im Jahre 1882 ein die Ostseite des Castortempels mit der Inschrift enthaltendes, dies aber nicht mehr an Ort und Stelle, sondern östlich vom Castortempel selbst, in eine mittelalterliche Mauer eingebaut; ebenfalls nicht mehr an Ort und Stelle im Jahre 1884 und 1889 Fragmente bei den Ausgrabungen auf dem Forum. Im Sommer 1888 fand man in dem hinter dem Palazzo Farnese am Tiber gelegenen Garten beim Abbruch einer Mauer in dieselbe verbaut 188 Fragmente des Stadtplanes. Nur wenige davon sind grösser, die meisten sind unansehnliche Brocken, sie können aber immerhin für die Zusammensetzung anderer Fragmente von Wichtigkeit werden. Im Jahre 1891 ordnete der Minister eine Ausgrabung an der Rückwand der Kirche SS. Cosma e Damiano an; in einer mehrmonatlichen Ausgrabungsperiode wurden aber nur wenige unbedeutende Stücke zu Tage gefördert. Die Publikation der neuen Funde steht noch aus.")

[ocr errors]

Ausgaben: BELLORI, Fragmenta vestigii veteris Romae ex lapidibus Farnesianis nunc primum in lucem edita cum notis Jo. Petri Bellorii 1673, wiederholt im 4. Bande des Graeviusschen Thesaurus antiquitatum Romanarum 1732. Ebenfalls im wesentlichen Wiederholungen der Bellorischen Ausgabe sind PIRANESI, Antichità Romane I, tab. II-IV 1756. XAV. CANALE, Ichnographia veteris Romae XX tabulis comprehensa cum notis Jo. Petri

') Vgl. Mitteilungen des k. deutschen archäol. Instituts 1890 S. 61 ff.

2) Vgl. Mitteilungen des k. deutschen archäol. Instituts 1891 S. 73. 74. 1892 S. 266.

[ocr errors][merged small][merged small][merged small][merged small]

Bellorii. Accesserunt aliae VI tabulae ineditae cum notis 1764. Bei CANINA finden sich die Fragmente am Rande seiner Pianta topografica di Roma 1832 und in anderen Büchern und Abhandlungen reproduziert, Abbildungen einzelner Fragmente sind nicht selten. H. JORDAN, Forma Urbis Romae regionum XIV, Berlin 1874 auf 37 Tafeln fol. nebst 70 Seiten Text. Untersuchung über die Planzeichnungen des Codex Vatic. 3439 von TRENDELENBURG, J disegni Vaticani della pianta Capitolina, Ann. d. Inst. 1872, p. 66 ff. Bericht über die von Tocco gefundenen Fragmente Ann. d. Inst. 1867, p. 408 ff. Sie sind abgedruckt bei JORDAN, Form. Urb. fr. 10-18. Das im Jahre 1882 gefundene ist publiziert Not. d. scavi 1882, Taf. XIV; vgl. JORDAN, Ricardo Lepsius.. gratulatur Institutum archaeologicum Germanicum, Rom 1883, das im Jahre 1884 gefundene Not. d. scavi 1884, p. 423, dieses und das im Jahre 1889 gefundene Mitt. d. Inst. 1891, Seite 74.

Die Wichtigkeit der wissenschaftlichen Benutzung der Planfragmente ist seit Erscheinen der Jordan'schen Forma urbis unbestritten. Leider wird das Studium an den Fragmenten selbst erschwert durch ihre Einmauerung in die Treppenwände des kapitolinischen Museums, wodurch die Ränder der Steine durch Verschmierung mit Kalk verdeckt sind. Die mannigfachen, teils den ganzen Plan, teils einzelne Fragmente betreffenden Fragen haben in neuester Zeit eine eingehende Behandlung, in erster Linie durch Hülsen gefunden (vgl. namentlich Mitt. d. Inst. 1889, S. 25 f., 1892, S. 316 und Bull. com. 1893, S. 130), eine endgültige Lösung, soweit überhaupt möglich, ist aber erst nach Befreiung der Tafeln aus ihrer modernen Einmauerung zu erwarten.

Der Massstab des Planes lässt sich mit den vorhandenen Mitteln nicht mit Genauigkeit feststellen; die Versuche, ihn aus den Fragmenten monumentaler Gebäude zu gewinnen, sind misslich, denn der Massstab derselben schwankt, wie ein Vergleich mit noch erhaltenen Resten zeigt, nicht unerheblich, selbst innerhalb eines und desselben Gebäudes. Der Massstab scheint, wie schon Canina erkannte, 1: 250 gewesen zu sein (vgl. HÜLSEN in Bull. com. 1893 S. 131), aber er ist wohl kaum exakt festgehalten. So weisen z. B. die Privathäuser (domus) auf Fragm. 173 und 191 der Forma urbis von Jordan (abgebildet auf Tafel 1) Grössenverhältnisse auf, die bei Annahme eines Massstabes von 1: 250 keine rationalen Zahlen ergeben, dagegen bei Annahme eines Massstabes von 1: 300 auf den römischen Actus (120 röm. Fuss) führen; die Frontbreite der drei nebeneinander liegenden Häuser auf Fragm. 173 würde danach je einen halben Actus betragen, was doch schwerlich auf Zufall beruht (vgl. meinen Aufsatz Insula Hermes 1885, S. 94. 95). Mit diesem Schwanken im Massstabe harmoniert die Darstellung selbst. Trotz der Menge von Einzelheiten, die er enthielt, war der Plan ungleich und stellenweise flüchtig ausgeführt, Namen waren monumentalen und öffentlichen Gebäuden wohl durchgehend, Strassen und Plätzen nur vereinzelt beigefügt (vgl. die grossen Fragmente 169, 170, 173, 179, 184, 188 u. a., auf denen kein Name zu sehen ist).

Auch die Feststellung der Orientierung des Planes ist misslich. Man kann wohl erkennen, dass der Plan im grossen und ganzen eine Orientierung zwischen Süden und Osten hatte, aber es ist zweifelhaft, ob der Zeichner des Planes überhaupt eine bis auf 45° genaue Orientierung beabsichtigt oder erreicht hat (HÜLSEN, Rhein. Mus. XLIX S. 420 Anm. 1). Ausschlaggebend müssten für die Feststellung der Orientierung solche Steine sein, die bekannte und in den Resten noch vorhandene Gebäude darstellen,

und an denen ausserdem noch die Stosskanten erhalten sind, die nur horizontale oder vertikale Richtung gehabt haben können. Aber gerade die Prüfung und Vergleichung solcher Steine hat abweichende Resultate ergeben. Während aus den die porticus Liviae darstellenden Fragmenten geschlossen werden musste, dass der Plan nach Südosten orientiert war, ergibt sich aus den die Saepta Julia darstellenden Steinen eine Orientierung nach Süden (oder Osten).

Alle diese Unregelmässigkeiten sind nur zu erklären, wenn man annimmt, dass der Plan als Ganzes erheblich von der Wirklichkeit abwich. Und das ist in der That wohl der Fall gewesen. Die Wand nämlich, auf der der Plan befestigt war, ist etwa 13 m hoch und 20 m breit, d. h. Höhe und Breite verhalten sich annähernd zu einander wie 2 zu 3. Das Rom zur Zeit des Severus aber, das gleich dem zur Zeit des Plinius etwa bis an die Linie der nachmaligen Aurelianischen Mauer zu rechnen ist, erfordert zu seiner Darstellung annähernd ein Quadrat, die Ost-Westlinie verhält sich zur Nord-Südlinie wie 11 zu 10, so dass also, einen einheitlichen Massstab vorausgesetzt, die Stadt auf dem gegebenen Raum nur teilweise Platz gefunden hätte. Es ist aber wohl nicht zu bezweifeln, dass auf diesem der öffentlichen Betrachtung gewidmeten Plane ganz Rom dargestellt gewesen ist, und dass man zu diesem Zwecke Reduktionen und Verschiebungen vorgenommen hat, deren Spuren sich noch erkennen lassen. Wie man mit solchen öffentlich ausgestellten Plänen verfuhr, d. h. wie man sie der Örtlichkeit, an der sie angebracht waren, anpasste, lehrt die in der Porticus Polae angebrachte Weltkarte des Agrippa, von der die Peutinger'sche Tafel eine Vorstellung geben mag.')

So wenig die Fragmente im stande sind, uns über das Gesamtbild der Stadt aufzuklären, so wichtig sind sie für die Erkenntnis von Einzelheiten, Häuser- und Strassenanlagen, Grösse der Privathäuser und der Vici, Anlage der Tabernen etc. Auch wichtige topographische Fragen, wie z. B. über die Benennung der Tempel am Forum, die Lage der Gebäude auf dem Marsfeld, der porticus Liviae u. a. sind durch diese Fragmente entschieden worden.)

2. Die konstantinische Regionsbeschreibung (vgl. I. Anhang) ist ein nach den vierzehn Regionen der Stadt geordnetes, mit zwei systematischen Anhängen versehenes Verzeichnis der wichtigsten Gebäude und Denkmäler Roms nebst statistischen Nachrichten. Dasselbe

') Ueber die Orientierung des Planes vgl. die älteren Arbeiten von CANINA, Indicazione topografica di Roma antica p. 29; H. JORDAN, Form. Urb. p. 13. TRENDELENBURG, Archäologische Zeitung 1873, p. 14 ff. NISSEN, Jenaer Litteraturzeitung 1875, p. 756. REBER, Ruinen Roms, p. 566. Neuere Arbeiten: HÜLSEN, Mitt. d. Inst. 1889, S. 78 f. (porticus Liviae), Bull. com. 1893, S. 119 ff. (Saepta), Rheinisches Museum XLIX S. 420 Anm. 2. Dissertazioni della pontificia Accademia Romana S. 268 nebst Anmerkung. O. RICHTER, Die älteste Wohnstätte des römischen Volkes, Berlin 1891. ELTER, De

[ocr errors]

forma Urbis Romae deque orbis antiqui facie diss. I u. II, Bonn 1891. Dazu die Besprechungen von O. RICHTER in den Göttinger gelehrten Anzeigen 1892 n. 4 S. 153 ff. und HÜLSEN, Top. Jahresbericht 1891 S. 267 ff.

2) Vgl. O. RICHTER, Insula, Hermes XX, p. 91 ff. Zusammensetzungen von Fragmenten: TRENDELENBURG, Archäologische Zeitung 1876, p. 52 f. LANCIANI, Bull. com. 1885, p. 157 ff. Tav. XXII, GATTI (und LANCIANI), Il portico di Livia nella terza regione di Roma, Bull. com. 1886, p. 270 ff. LANCIANI, I portici d. reg. IX. Ann. d. Inst. 1883, p. 5 ff. HÜLSEN, Mitt. d. Inst. 1892, S. 316 ff.

« iepriekšējāTurpināt »