Lapas attēli
PDF
ePub

zu beachten, dass die älteste Ansiedlung auf dem Palatin keine,Roma', keine Flussstadt' war; sie liegt ebenso wenig unmittelbar am Tiber, wie z. B. das älteste Hamburg unmittelbar an der Elbe; dieses wurde vielmehr ein Stück von der Elbe entfernt am Ufer der Alster gegründet und rückte erst im Laufe der Weiterentwicklung der Stadt bis an das Ufer des grösseren Flusses vor. Im Westen und Süden war die Palatinsstadt von zwei kleineren in den Tiber sich ergiessenden Bächen, der Marana des Circusthales und dem später kanalisierten und zur Cloaca Maxima umgestalteten Bache umflossen. Die spätere Ausdehnung bis zum Tiber ist vermutlich in ältester Zeit schon dadurch vorgezeichnet, dass das nachmalige Forum boarium den Siedlern auf dem Palatin als Aussenmarkt (forum) diente. Von einer Brücke über den Tiber war damals noch keine Rede.1)

Wir wissen also von dieser Stadt auf dem Palatin, die nach der ein unregelmässiges Viereck bildenden Form des Hügels in der späteren Überlieferung Roma quadrata heisst, genug, um wenigstens die äussere Gestalt derselben zu rekonstruieren. zu rekonstruieren. Sie hatte einen Flächenraum von etwa 10 ha, entsprach also in der Grösse ungefähr den zahlreichen Ansiedelungen in der römischen Campagna.

"

Die Römer haben dieser Wiege ihrer Macht stets eine ehrfurchtsvolle Achtung bewiesen. Hier war die Gründungssage lokalisiert, und gewisse Heiligtümer, die sich auf den Gründer Romulus bezogen (sämtlich späteren Ursprungs), wie die Casa Romuli (nach Plutarch, Rom. 20, 4 bei den scalae Caci), das Lupercal (ungewisser Lage, vermutlich am Westabhang), die heilige aus der Lanze des Stadtgründers entsprossene Cornelkirsche (gegenüber dem Aventin) und der Mundus, d. h. die Grube, die bei der Stadtgründung die Dinge aufnahm „quae solent boni ominis gratia in urbe condenda adhiberi" und die ebenfalls Roma quadrata" genannt wurde, 2) wurden hier zum Teil bis in die späteste Zeit verehrt. Nichtsdestoweniger haben sich die Römer niemals eine klare Vorstellung vom Palatium als einer in sich abgeschlossenen Stadt, machen können. Der Palatin bietet, wenn wir von den oben genannten Heiligtümern absehen, die nur auf die Stadtgründung Bezug haben, nichts, woran die Geschichte anknüpfen konnte. Alle die Punkte, ohne die ein Rom und eine römische Geschichte für den Römer nicht denkbar erschienen, das Kapitol, das Comitium, das Forum, die Sacra via, der Circus Maximus liegen ausserhalb des Palatins; nicht minder liegen ausserhalb desselben die urältesten Heiligtümer, die man am ersten dort suchen möchte, wo die Stadt ent

1) Die früher lebhaft behandelte Frage, ob die ursprüngliche Ansiedlung auf dem Palatin den ganzen Hügel umfasst habe, oder nur den westlichen Teil bis zu der oben p. 34 erwähnten Einsenkung, ist jetzt erledigt. Für die zweifellose Ausdehnung der ältesten Stadt über den ganzen Hügel musste auch für Topographen, denen die Anschauung abging, die oben behandelte Tacitusstelle über das Pomerium ausschlaggebend sein. Mit Recht

zieht HÜLSEN in der beherzigenswerten Anmerkung 2 in den Röm. Mitt. 1896 p. 211 hierher die Stelle des Solinus 1, 18 (Roma quadrata) incipit a silva, quae est in area Apollinis et ad supercilium scalarum Caci habet terminum, ubi tugurium fuit Faustuli, wodurch die Diagonale über den Hügel von NO. nach SW. beschrieben wird.

2) Fest. Müll. p. 258; JORDAN, Forma Urbis I, 1 nebst Anm.

stand, wie der Vestatempel,1) das Larenheiligtum etc. Von allen diesen Punkten aber abzusehen war der römischen Überlieferung schlechterdings unmöglich, das Bild des Servianischen Roms wirkte zu mächtig dazu. Wir finden sie darum schon in die Geschichte des Romulus verwebt und wie integrierende Teile der Stadt behandelt.) Dies führte dann weiter zu der Annahme, Romulus habe Kapitol und Palatin zu einer Stadt verbunden. Damit war der erste Schritt zu der traditionellen Geschichte der Stadterweiterung gethan, die die allmähliche Besiedlung und Heranziehung der römischen Hügel an die Personen der Könige knüpfte, unbekümmert darum, ob die auf dem Wege von der Palatinstadt bis zur Servianischen Stadt angenommenen Zwischenformen überhaupt topographisch wahrscheinlich oder möglich sind. Sie überwucherte trotzdem den wahren Vorgang derart, dass er in der Überlieferung bis auf wenige in ihrem Werte nicht immer genügend gewürdigte Andeutungen verschwunden ist. In der Entwicklung Roms unterscheiden wir folgende Hauptepochen: die Palatinstadt, die Siebenhügelstadt (Septimontium), die Vierregionenstadt, die Servianische Stadt, die (offene) Stadt der vierzehn Regionen und die Aurelianische Stadt.

Litteratur: Aeltere Schriften: PIALE, Della fondazione di Roma und Del secondo recinto di Roma 1822. Von den überaus zahlreichen neueren, von der Gründung Roms und der palatinischen Stadt handelnden Schriften kommen für die Topographie namentlich in Betracht: PÖHLMANN, Die Anfänge Roms, 1881. J. GUIDI, La fondazione di Roma, Bull. com. 1881, p. 63 ff. Kritiklos ist KUNTZE, Prolegomena zur Geschichte Roms, 1882. Vgl. noch F. CAUER, De fabulis graecis ad Romam conditam pertinentibus, 1884. NIESE, Die Sagen von der Gründung Roms Historische Zeitschrift 1888 Nr. 3 p. 481-506. GILBERT, Topographie I p. 36-160. A. SCHNEIDER, Aus Roms Frühzeit, Mitt. d. Inst. 1895 p. 160 ff.

16. Die Siebenhügelstadt (Septimontium). Ein nicht unbedeutender Zeitraum muss vergangen sein, bis aus der Palatinstadt sich diese erheblich umfangreichere Stadtform entwickelt hat. Die Stadt hat sich auf die östlich und nordöstlich dem Palatium zunächst liegenden Höhen Esquilin und Caelius ausgedehnt und umfasst das Gebiet von zwei Regionen der späteren Vierregionenstadt, der Palatina und Esquilina, ganz, und von der Suburana die Subura, die dem Palatin zunächst liegende Höhe des Caelius, die später auch der Caeliusregion den Namen gegeben hat. Das Andenken an diese Siebenhügelstadt ist so gut wie ganz untergegangen. Festus überliefert nach Antistius Labeo p. 348 die Namen der dazu gehörigen Gemeinden (montes), aber unter dem Gesichtspunkte eines von diesen

1) A. SCHNEIDER nimmt in seinem Aufsatze Aus Roms Frühzeit", Mitt. d. Inst. 1895, p. 160 ff. für die Palatinsstadt ein Heiligtum der Caca oberhalb der Scalae Caci als älteste Feuerstätte der römischen Gemeinde an (vgl. Wissowa in Roschers Mythol. Lexikon s v. Caca), die daneben liegende casa Romuli sei die dazu gehörige Regia gewesen (Königshaus und Staatsherd). Das klingt ganz annehmbar, aber ich fürchte, dass man durch die Aufstellung solcher subtilen Vermutungen über den Urzustand Roms die wirkliche Kenntnis nicht fördert. Ueber

die Analyse des Servianischen Roms kommen wir doch nicht hinaus.

2) Ein recht charakteristisches Beispiel dieser Anschauungsweise bietet Virgil, Aen. VIII 314 ff., der den König Evander, den mythischen Vorläufer des Romulus, die Herrlichkeiten seiner Stadt seinem Gastfreunde Aeneas zeigen lässt. Er führt ihn überhaupt nicht auf den Palatin, sondern zu Stätten, die erst im Servianischen Rom Bedeutung gewannen; Forum und Kapitol spielen dabei die Hauptrolle.

[ocr errors][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][subsumed][merged small][merged small][merged small][subsumed][merged small][graphic][graphic]
[ocr errors]

Hügeln gemeinsam begangenen Festes, des Septimontium.1) An diesem Feste nahmen folgende Gemeinden (montes) teil: Palatium, Velia, Cermălus (regio Palatina); Oppius, Cispius, Fagūtal (regio Esquilina); Subura (regio Suburana). Die meisten dieser montes, Palatium, Velia, Cermǎlus, Oppius und Cispius sind ihrer Lage nach bekannt; nur vermutungsweise kann das Fagūtal lokalisiert werden. Es nahm die westliche Spitze des südlichen Ausläufers des Esquilins, des Oppius ein. Der Oppius selbst wird auf einer im Jahr 1887 bei den Trajansthermen gefundenen Inschrift genannt. Sie lautet: mag(istrei) et flamin(es) montan(orum) montis Oppi de pequnia mont(anorum) montis Oppi sacellum claudend(um) et coaequand(um) et arbores serundas coeraverunt.") Dagegen kann die in der Urkunde genannte Subura nicht die in historischer Zeit so benannte Niederung zwischen Quirinal und Esquilin sein, da die Urkunde überhaupt nur montes nennt. Topographische Gründe weisen auf den Caelius hin, dessen eine Höhe, die westlichste gegenüber dem Palatin, diesen Namen, oder wahrscheinlicher ursprünglich den Namen Sucusa führte.3)

Schon seit Niebuhr hat sich die Meinung Geltung verschafft, in dieser Vereinigung eine verschollene Stadtform zu erkennen, von der allein die Sacra übrig geblieben seien, wie von der alten palatinischen Stadt der Umlauf der luperci. Dass diese Meinung das richtige trifft, erhellt aus der auf dem Plane des Septimontiums (s. Tafel 3) gegebenen Rekonstruktion, wie denn überhaupt die Frage, ob eine Vereinigung mehrerer Ge

Ge

1) Festus p. 348 b 24. Müller: Septimontio, ut ait Antistius Labeo, hisce montibus feriae: Palatio, cui sacrificium quod fit, Palatuar dicitur. Veliae (villae cod.), cui item sacrificium. Fagutali (Faguali cod.), Suburae, Cermalo, Oppio Caelio monti, Cispio monti. Vgl. auch p. 340 a 7 und p. 341. In letzterer Stelle ist der Oppius umgestellt; die Reihenfolge lautet dort: Palatio, Velia, Fagutali, Subura, Cermalo, Caelio (vgl. Wissowa, Septimontium und Subura, aus der Satura Viadrina p. 13), Oppio et Cispio. Die Ueberlieferung bietet leider eine erhebliche Schwierigkeit, indem sie nicht sieben, sondern acht montes aufführt. wöhnlich streicht man den Caelius, weil er p. 348 in die sicher zusammengehörigen Worte Oppio monti Cispio monti störend eingeschoben ist; freilich bringt Paul. Diac. p. 341 die richtige Reihenfolge Caelio Oppio et Cispio. Eine andere Schwierigkeit ist, dass sich unter den sieben „montes" die Subura befindet, die in historischer Zeit nicht als "mons" sondern als die Niederung zwischen Quirinal, Viminal und Esquilin bekannt ist. Niebuhr wollte deshalb, um beide Schwierigkeiten zugleich aus dem Wege zu räumen, Subura streichen. Einen andern Weg schlug Huschke ein, indem er empfahl, Suburae in Caelio zu lesen. Ihm folgt WISSOWA in der oben angeführten Schrift insofern, als er an

nimmt, dass die in der Urkunde des Labeo genannte Subura mit der in historischer Zeit so genannten Niederung nichts zu thun hat, sondern eine der Höhen des Caelius war. „So wird", sagt er p. 14 f, denn der Caelius in der That im Texte der Stelle des Antistius Labeo gestanden haben, nur nicht als einer der sieben montes des Septimontium, sondern in einer Erklärung zu dem Namen Subura, von welchem Labeo noch wusste, dass er hier in anderer als der zu seiner Zeit geläufigen Lokalisierung gebraucht war und eine zum Caeliusbezirk gehörige Anhöhe bezeichnete." Man wird dieser Erklärung der Stelle zustimmen können. Jedenfalls kann ich mich mit Wissowas Ansetzung der Subura als Teiles des Caelius umsomehr einverstanden erklären, als ich zu demselben Resultat, allerdings ausgehend von der Analyse der Argeerurkunde, längst gekommen war und dasselbe seit Jahren bei Gelegenheit der in Berlin veranstalteten archäologischen Ferienkurse vorgetragen habe. Indessen ist als sicher anzunehmen, dass nicht, wie von Wissowa angenommen wird, die entferntere Höhe von SS. Quattro Coronati, sondern der dem Palatin zunächstliegende Bergvorsprung des Caelius Sucusa hiess.

2) Vgl. GATTI, Bull. com. 1887 p. 156. HÜLSEN, Mitt. 1889 p. 278.

3) Vgl. WISSOWA a. a. O. p. 18.

« iepriekšējāTurpināt »