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geblieben sind, weil sie den Zwecken der „annona publica" dienten.1) Sie haben bis tief in das Mittelalter bestanden; die ansehnlichen Trümmer galten im 12. Jahrhundert als das Schloss eines Königs Galbin (Jord. Top. II 68).

In den achtziger Jahren ist die Ebene unter dem Aventin, die jetzt von neuem bebaut wird (vgl. p. 76), Gegenstand umfassender Ausgrabungen gewesen. Bei denselben sind die alten Strassenzüge wieder zum Vorschein gekommen, und es hat sich herausgestellt, dass das ganze weite Gebiet vollständig mit Speichern bedeckt gewesen ist; 2) die erste kirchliche Region, die aus der XII. und XIII. augustischen Region bestand, hiess nach ihnen Orrea. Unter den fast unübersehbaren Resten derselben haben sich auch noch Teile von den einst hier gelagerten Waren gefunden, namentlich Marmor, dann hart an der Ostmauer des Emporiums ein Lager von Elfenbein, südlich davon ein Lager von Meeressand zum Sägen und von Bimstein zum Polieren des Marmors u. a. m.3)

Überliefert sind im ganzen die Namen von 14 Horrea;4)

1. Galbae (Galbana oder Galbiana), identisch mit den Sulpicia (s. oben). 2. Vespasiani, im Chron. von 354 unter Domitianus (vgl. p. 164). 3. Nervae, CIL VI 8681, gefunden in agro inter vias Appiam et Ostiensem circa 2 m ab urbe sito prope aedem appellatam della Nunziatella, ubi rudera aedificiorum antiquorum multaque dolia praegrandia per ordines disposita Guidius effodienda curavit: unde ibi horrea Nervae fuisse probabile.

4. Caesaris, CIL VI 4240.

5. Agrippiana et Germaniciana, Notit. Reg. VIII; CIL VI 9972, 10026. 6. Aniciana, Notit. Reg. XIII.

7. Leoniana, CIL VI 237.

8. Lolliana, Form. Urb. fr. 51; CIL VI 4226, 4239.

9. Petroniana, CIL VI 3971.

10. Postumiana, vgl. MARINI, Iscr. dol. 279.

11. Seiana, CIL VI 238, 9471.

12. Sempronia, Fest. p. 290: Sempronia horrea qui locus dicitur, in eo fuerunt lege Gracchi ad custodiam frumenti publici.

13. Q. Tinei Sacerdotis, vgl. MARINI, Iscr. dol. 279.

14. Volusiana, CIL VI 9973.

Von diesen Horrea lagen die Agrippiana und Germaniciana vermutlich am Forum boarium in der Nähe der Statio annonae (vgl. p. 186), die Aniciana werden in der Regionsbeschreibung mit den Galbiana zusammen genannt, lagen also sicher nicht weit davon; die Horrea des Nerva lagen

') Die Form der Horrea, grosse von Gebäuden eingeschlossene Höfe, stellt das Fragment des kapitolinischen Planes Forma Urbis XXXVI 8 dar.

2) Vgl. DE Rossi, Le horrea sotto l'Aventino, Ann. de Inst. 1885 p. 223.

3) Vgl. Not. d. scavi 1885 p. 224 und 251. 4) Nicht einbegriffen sind die Horrea chartaria Not. Reg. IV, candelaria Form. Urb. fr. 53, piperataria Chron. von 354, von Do

mitian an der Stelle der späteren Basilica Constantiniana erbaut (vgl. p. 164). Ausser Betracht bleiben auch die horrea, von denen es in der Vita Alexandri Severi 39 heisst: horrea in omnibus regionibus publica fecit, ad quae conferrent bona ii, qui privatas custodias non haberent, und die zu denen gehören, die in der Regionsbeschreibung zahlenmässig registriert werden. Vgl. Anhang I.

ebenfalls in der Nähe, zwischen der Via Ostiensis und der Via Appia, und auch die Horrea Vespasiani und Petroniana dürften hier gelegen und Teile der Horrea Caesaris 1) gebildet haben. Die Lolliana sind auf einem Fragment des Stadtplans (F. U. XI 51) dargestellt. Danach haben sie am Tiber gelegen. Obgleich dadurch ihre Lage nur annähernd bestimmt ist, so ist für so umfassende Anlagen, wie diese der Abbildung nach waren, nur die Ebene unter dem Aventin (oder das gegenüberliegende Ufer) anzunehmen. Vermutlich sind sie von dem Konsul des Jahres 22 v. Chr. (Hor. ep. I 20, 28) gegründet. Auch von den anderen, topographisch nicht bestimmbaren, mögen noch manche hier gelegen haben. Die ältesten waren jedenfalls die Sempronia.

Von anderen dem Charakter des Quartiers entsprechenden Örtlichkeiten werden genannt: eine Porticus fabaria (Notit. Reg. XIII), ein Vicus frumentarius (Kap. Bas. Reg. XIII; CIL VI 814), ein Amtsgebäude, in welchem das ansarium, d. h. der Eingangszoll für die den Tiber heraufkommenden Waren erhoben wurde (CIL VI 8594), ferner das Forum pistorum (Notit. Reg. XIII; Aur. Vict. Caes. 13).2) Von den sicher in dieser Vorstadt nicht fehlenden sonstigen Handelszweigen sind durch Inschriften Fabriken von Lampen ad portam Trigeminam beglaubigt.")

2. Eine sehr merkwürdige Erscheinung ist inmitten dieses Quartiers der Mons testaceus (Monte Testaccio), ein aus den Scherben von Thonkrügen entstandener 35 m hoher Hügel von bedeutendem Umfange, der nach Ausweis der auf den Scherben befindlichen Stempel und Graffiti in einer langen Reihe von Jahren seit Beginn der Kaiserzeit ganz allmählich zu dieser erstaunlichen Höhe angewachsen ist. Die datierbaren Inschriften beginnen in der Mitte des 2. Jahrhunderts und gehen bis zum Jahre 251. Es ist kein Zweifel, dass diese ungeheuren Scherbenmassen von den Gefässen herrühren, in denen die überseeischen Waren anlangten. Namentlich ist es Spanien, in erster Linie die fruchtbare Provinz Baetica, und Africa, deren Handelsverkehr mit Rom in diesen Inschriften sich wiederspiegelt, während z. B. Spuren griechischer Handelsartikel gar nicht gefunden sind. Die grosse Menge der hier befindlichen Thongefässe erklärt sich daraus, dass auch das Getreide in solchen versandt zu werden pflegte. Im Innern des Berges befindet sich, wie durch Ausgrabungen festgestellt ist, ein Grab; es ist nicht absichtlich, sondern durch Nachstürzen der in seiner Nähe aufgehäuften Scherben verschüttet worden. Auch die ganze Umgegend des Monte Testaccio ist fusshoch mit Scherben bedeckt, und zwar befinden sich diese innerhalb der Mauern zerstörter Horrea, so dass man annehmen muss, dass in späteren Jahrhunderten die hier liegenden Magazine verödeten. Doch ist diese Verödung nicht auf einmal gekommen, wie ebenfalls aus den Stempeln etc. geschlossen werden kann.1) Im Mittelalter

1) GATTI, Bull. com. 1885 p. 112: le horrea Caesaris ist der Meinung, dass auch noch andere, in den kaiserlichen Besitz übergegangene Horrea, wie z. B. die Seiana, Lolliana, Leoniana ihnen zuzuweisen seien.

2) Vgl. MARQUARDT, Privatleben II p. 400.

3) DRESSEL, Ann. d. Inst. 1878 p. 186. ) Es ist zu bemerken, dass ähnliche Scherbenberge auch sonst existieren, z. B. in Tarent, Alexandria und Cairo. Vgl. auch den Abschnitt Trans Tiberim.

muss man hie und da auf den Scherben die Namen von Spanien, Africa u. a. gelesen haben. Daraus entstand der Volksglaube, dass in den Gefässen die Tribute enthalten gewesen seien, welche die römischen Provinzen nach Rom geschickt hätten.

2. Die Häfen und die Navalia. Die Konzentrierung des Grosshandels und des überseeischen Verkehrs Roms am Tiberufer erforderte die Anlage sicherer Anlegestellen. Auf der kurzen Strecke des befestigten Tiberufers von der Porta Trigemina bis zur Porta Flumentana war die Errichtung von Anlegestellen unthunlich, da sie die Sicherheit der Stadt gefährdet haben würde. Die erste Anlegestelle entstand vielmehr hart unter den Mauern der Stadt vor Porta Trigemina. Dort befanden sich seit den ältesten Zeiten die Salinae, in denen das den Tiber heraufkommende Salz gelagert wurde (p. 194), dort also ist der erste Hafen Roms zu suchen. Die spätere Entwicklung zeigt, dass von diesem Punkte an flussabwärts erst der schmale Ufersaum zwischen Fluss und Aventin, dann die breite Ebene südlich vom Aventin dem Verkehr dienstbar gemacht und schliesslich in dem Emporium ein für die damaligen Verhältnisse ausreichender Handelshafen geschaffen wurde.

Auch vor der Porta Flumentana, deren Name schon zeigt, dass sie zum Flusse hinabführte, müssen Anlegestellen gewesen sein, sowohl für die Fischer, die ihr Gewerbe auf dem Fluss betrieben (p. 190), als auch für die den Fluss herabkommenden Waren (p. 48). Auch weiter flussaufwärts gab es auf dem Marsfeld Häfen (Anlegestellen). Besonders interessant ist ein etwa 160 m oberhalb des Pons Aelius in den Tiber schräg hineingebauter Molo, der höchst wahrscheinlich zum Ausladen von Marmor diente, der in den zahlreich im nördlichen Teile des Marsfeldes vorhandenen Bildhauerwerkstätten verarbeitet wurde. Vgl. LANCIANI, Bull. com. 1891 p. 26 ff. Den Unterbau des Molo bildet eine 66 m breite, von einer fast 5 m starken Mauer von Gusswerk eingefasste Aufschüttung von Steinen, Sand etc. Der darauf ruhende 14 m breite Molo besteht aus 11 Lagen von Tuffquadern (Abb. 21). Er dürfte aus Augustischer Zeit stammen, in der die massenhafte Einfuhr unbearbeiteten Marmors begann. Vgl. Bull. com. 1891 p. 45 ff. Über den stromaufwärts gelegenen Portus vinarius vgl. unten. Ziegelniederlagen waren die nicht zu lokalisierenden Portus Licini CIL XV 408, Cassiodor, Variae I 25, P. Parrae CIL XV 409-412, P. Corneli Not. d. scavi 1892 p. 347.

Auch die Navalia befanden sich ausserhalb der Porta Flumentana auf dem Marsfeld. Ihre Lage daselbst steht fest durch Liv. III 26: L. Quinctius trans Tiberim, contra eum ipsum locum, ubi nunc navalia sunt, quattuor ingerum colebat agrum, quae prata Quinctia vocantur und Plin. N. H. XVIII 20: aranti quattuor sua iugera in Vaticano, quae prata Quinctia appellantur. Man war früher geneigt, darauf hin die Navalia möglichst nach dem heutigen Vatikanischen Gebiete hin, also so weit wie möglich nördlich anzusetzen, aber seitdem ELTER in seinem Vaticanum', Rhein. Mus. XLVI p. 112 ff. erwiesen hat, dass die Bezeichnung mons Vaticanus ursprünglich auch den Höhenzug des Janiculum umfasste, ist die Ansetzung möglichst nahe der Stadt, am Ende der Vorstadt extra portam

Flumentanam, also in der Nähe des heutigen Palazzo Farnese, so gut wie gesichert.

Im Gegensatz zu dem Handelshafen, dem Emporium, sind die Navalia die Staatsdocks und das Arsenal. Aus den nicht zu häufigen Erwähnungen ist zu entnehmen, dass hier eroberte Schiffe und Staatsschiffe untergebracht wurden. Liv. VIII 14 erzählt, dass im Jahre 338 v. Chr. naves Antiatium partim in navalia Romae subductae. Aus dem Jahre 167 v. Chr. heisst es bei demselben XLV 35: Paulus ipse post dies paucos regia nave ingentis magnitudinis, quam sexdecim versus remorum agebant adverso Tiberi ad urbem est subvectus und ib. 42: naves regiae captae de Mace

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donibus invisitatae ante magnitudinis in campo Martio subductae sunt. Für jene regia navis scheint sogar ein besonderes, befestigtes Dock gebaut zu sein. Polybius XXXVI 3 erzählt, dass etwa 20 Jahre später, beim Beginn des 3. punischen Krieges, die karthagischen Geiseln аρа×оμσ Éves ἀσφαλῶς εἰς τὴν Ῥώμην συνεκλείσθησαν ὁμοῦ πάντες εἰς τὸ τῆς ἑκκαιδε κήρους νεώριον. Dass die Navalia ferner der Landungsplatz für die Staatsschiffe war, geht aus der Erzählung des Plutarch Cato min. 39 von der Rückkehr des jüngeren Cato aus Cypern hervor. Die Behörden erwarten ihn (wo, ist nicht gesagt: τῶν ὑπάτων καὶ τῶν στρατηγῶν Tagóvτшv, also entweder an der Porta Trigemina oder an der Porta Flumentana), ἀλλὰ ῥοθίῳ τὴν ὄχθην παρεξελαύνων ἐπὶ νεως ἑξήρους

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βασιλικῆς οὐκ ἀνῆκε πρότερον ἢ καθορμίσαι τὸν στόλον εἰς τὸ νεώριον. Dasselbe Ziel, die Navalia, hat offenbar auch das Schiff, welches im Jahr 291 v. Chr. auf Geheiss der Sibyllinischen Bücher die heilige Schlange des Aesculap von Epidaurus nach Rom brachte. Aurel. Vict. de vir. ill. 22 (anguis) cum adverso Tiberi subveheretur, in proximam insulam desiluit: ubi templum ei constitutum, das heisst, dass sie beim Vorbeifahren bei der Insel vom Schiffe springt und zur Insel hinüberschwimmt.1) Eine anschauliche Darstellung des Vorganges gibt die Bronze des Antoninus Pius (Abb. 22): im Hintergrunde die Insel, links das Staatsschiff mit zwei Ruderreihen übereinander, das in voller Fahrt eine durch zwei Bogen angedeutete Brücke, den Pons Aemilius, passiert, auf dem Vorderteil die Schlange, die sich anschickt, sich vom Schiff zu schwingen, und im Vordergrunde der Tiberis, dem ankommenden Schiffe die Hand entgegenstreckend.

Ob mit den Navalia auch Schiffswerfte verbunden waren, ist zweifelhaft. Merkwürdig hierfür ist Serv. ad. Aen. XI 326: texamus quidam,texamus proprie dictum tradunt, quia loca in quibus naves fiunt, graece vav

Abb. 22. Münze des Antoninus Pius.

ya, latine textrina dici: Ennius dicit: idem campus habet textrinum navibus longis: navalia enim non esse ναυπήγια, sed νεώρια. Aber es bleibt immer ungewiss, ob mit dem campus das Marsfeld gemeint ist. Jedenfalls ist nie die Rede davon, dass hier Schiffe oder Flotten gebaut worden sind.

Wann die Navalia angelegt sind, steht nicht fest. Zur Zeit der Besiegung der Antiaten existierten sie schon. In der Mitte des 2. Jahrhunderts v. Chr. wurden sie, wie wir aus Cicero de orat. I 14, 62 wissen, durch den griechischen Baumeister Hermodorus neugestaltet, aber kein Zeichen spricht dafür, dass sie etwa nach dieser Zeit für die Entwicklung der römischen Flotte von Bedeutung gewesen wären. Plin. N. H. XXXVI 40 wird erwähnt, dass wilde Tiere aus Africa dort in Käfigen sich befunden hätten, offenbar nur vorübergehend. Aus dem alten Arsenal scheint im Laufe der Zeit ein Museum geworden zu sein, zumal seitdem durch Errichtung der Aurelianischen Mauer die Navalia vom Tiber abgeschnitten waren. So nennt sie noch einmal Prokop, Goth. IV 22 als ev μéoŋ tỷ néhεi gelegen. Er sah in ihnen das Schiff, mit dem Aeneas nach Italien gekommen sein sollte.

Zweimal ausserdem werden werden die Navalia erwähnt: im Jahre 179 v. Chr. baute der Censor Fulvius (Liv. XL 51) eine Porticus,post navalia'; Fest. ep. p. 179 erwähnt eine Navalis porta a vicinia navalium dicta (p. 178: [navalis porta, item navalis] regio, vide[tur utraque a vicinia navalium ita appella[ta esse]). Ein Eingangsthor zu den

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1) Liv. Epit. XI berichtet einfach: eoque (i. e. angue) in insulam Tiberis egresso und Val. Max. I 9, 2, offenbar mit Verkennung |

der Pointe: (anguis) in ripam Tiberis egressis legatis in insulam tranavit.

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