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schon Merivale, Melville, Trollope, Regel, Schaub und andere überzeugend zurückgewiesen und Th.'s liebevolles, menschenfreundliches Gemüt gerühmt. Die Briefe, die er an seine Familie, an seine Freunde, z. B. Fitz Gerald, die Brookfields, gerichtet hat, bieten zahlreiche Belege für diese Eigenschaften, die dem Charakter des Cynikers stracks zuwider laufen. Thi’s freigebige Hilfsbereitschaft, seine männliche Bescheidenheit, seine Wahrheitsliebe und Aufrichtigkeit, die unbescholtene Reinheit und Weichheit seines Gemüts sind Züge, die sich vielfach belegen lassen und uns eine edle, charaktervolle. Persönlichkeit zeigen, deren Grundzug echte Menschenliebe ist. Den Ausspruch Dr. Crooksleys, den Melville erwähnt (II. 31), will ich anführen: „Th., he declared, was neither cynic nor pessimist, but a naturally generous-minded, kind hearted man, whom he frequently dubbed "the gentle giant”.“

Die erwähnten Züge hat Th., als humoristischer Dichter, in vielen seiner guten Personen, nur wenig idealisiert, wiedergegeben. Schaub hat nachgewiesen, dass nicht nur in ihrem äusseren Lebensgange, sondern auch in ihren Ansichten und Anlagen Pendennis und Th. übereinstimmen, ebenso wie Clive Newcome die Ansichten Th.'s als Maler vertritt. Mrs. Ritchie glaubt in General Lambert viele Züge ihres Vaters wiederzuerkennen.) Melville meint, Th. hätte etwas von G. Warrington an sich gehabt, namentlich im Gespräch (II. 110), ebenso von Pendennis, wie er in ,,Philip" erscheint. Und Merivale schreibt: „And gossip Thackeray was always behind his characters“ (20).

Ein weiterer für den Humoristen charakteristischer Zug ist die lebensfreudige Stimmung Th.'s. Conrad, der den „Dichter“ Th. als Pessimisten verdammt, sagt von seiner Lebensweise: „Mit solchem Juchhe-Pessimismus lässt

„ es sich schon leben“, (216) und nennt den „Menschen“ selbst einen „man of pleasure" (53). In der Tat lebte Th. ein heiteres, angenehmes Leben. „He was a man of sensibility; he delighted in luxuriously furnished and well lighted rooms, good music, excellent wines and good cookery; exhilarating talk, gay and airy gossip, pretty women and their toilettes, and refined and noble manners, le bon goût, le ris, l'aimable liberté. The ameneties of life, and the traditions stimulated

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his imagination“.1) Herbe Schicksalsschläge blieben ihm zwar nicht erspart, aber sie verbitterten nicht sein Gemüt, sondern läuterten es zu jener Mischung von „burlesque with the pathetic“,2) die für ihn ganz besonders charakteristisch ist. Man denke nur an die „Ballad of Bouillabaisse“, die diesen Zug besonders deutlich zum Ausdruck bringt.

Für vernünftigen materiellen Lebensgenuss hatte Th. eine unbestrittene Vorliebe. Festschmäuse und Zechgelage spielen in seinen Schriften eine ziemliche Rolle. Hierin folgt er grossen Mustern, wie er sagt. Er erwähnt, dass „Walter Scott is full of inns. In “Don Quixote” and “Gil Blas” there is plenty of inn-talk. Sterne, Fielding, and Smollet constantly speak about them“,g) und er meint, dass „next to eat good dinners, a healthy man of a benevolent turn of mind must like ... to read about them“.9) Als Knabe schon konnte er ,,Barmecide's feast“ in den „Arabian Nights“ auswendig. Die", culinary passages“ in Scotts Romanen, in which works there is a deal of good eating“, und Homers Gedichte, die „full, as everybody knows, of roast and boiled“ sind, waren seine favourites.4) Von Mr. Yorke setzt er voraus, dass er wohl weiss, „that Titmarsh before he works must dine, and when he dines, must dine well“,5) und er kann es verstehen, dass Louis XVI. sogar sein Leben aufs Spiel setzte, indem er seine Flucht verzögerte, weil er erst noch einmal gut zu abend speisen wollte. Einige seiner gastronomischen Schilderungen strahlen von behaglichem Humor. Im „Irish Sketch Book“ zählt er die Voraussetzungen eines guten Diners auf: „You must not have too much view, or a

a severe one to give a relish to a good dinner; nor too much music, nor too quick, nor too loud. Any reader who has dined at a table d'hôte in Germany will know the annoyance of this; a set of musicians, immediately at your back, will sometimes play you a melancholy polonaise; and a man with a good ear must perforce eat in time, and your soup is quite cold before it is swallowed! Then all of a sudden, crash goes a brisk gallop! and you are obliged to gulp your victuals

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1) Melv. I. 196. 2) Trollope 179. 3) XII. 252. 4) VI. 553

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at the rate of ten miles an hour“.1) In Paris sucht und findet er den Himmel Luculls. In Paris gewesen zu sein und nicht die Feinheiten der französischen Küche versucht zu haben, gilt ihm als Sünde. Er fühlt sich unendlich glücklich, mit einem Freunde bei einer Flasche Rotwein ein solches Diner einnehmen zu können, wie folgende Stelle zeigt: „By the shade of Heliogabalus ! as I write about it, a week after I have eaten it, the old, rich, sweet, piquant, juicy taste comes smacking on my lips again; and I feel something of that exquisite sensation I then had. I am ashamed of the delight which the eating of that piece of meat caused me. G- and I had quarrelled about the soup (I said so, and don't wish to return to the subject); but when we began on the steak, we looked at each other, and loved each other. We did not speak, our hearts were too full for that; but we took bit, and laid down our forks, and looked at one another, and understood each other: there were no two individuals on this wide earth, - no two lovers billing in the shade, mother clasping baby to her heart, more supremely happy than we".)

Ein gewisses Phlegma, das eine solche genussfrohe Stimmung als Voraussetzung erfordert, hat ihm die Natur auch beschert. Seine Tochter schreibt: „To Warrington, to FitzGerald, and to my father indeed as well, belonged, together with a certain benevolent dictatorship, some shrinking from the stress of life which comes rather from too much sympathy than from indifference. For its quaint humours its merry quicks, their tastes never failed“.5) Täglich musste Th. sich schon in Charterhouse sagen lassen: „you are idle, profligate, shuffling boy“,4) und in den „Virginians“ findet sich geradezu ein Lobpreis auf die „göttliche Faulheit“: „0 blessed Idleness! Divine lazy Nymph! Reach me a novel as I lie in my dressing-gown at three o'clock in the afternoon; compound a sherry-cobbler for me, and bring me a cigar! Dear slatternly smiling Enchantress! They may assail thee with bad names

swear thy character away and call thee the Mother of Evil; but for all that thou art the best com

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1) V. 288 ff. 2) XIII. 581. 3) II. XXX.

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pany in the world“ ! 1) Noch kurz vor seinem Tode wurde er gefragt, ob er keinen Arzt zu Rate ziehe. Er antwortete: Selbstverständlich. Aber ,they tell me not to drink and I

, do drink. They tell me not to smoke and I do smoke. They tell me not to eat and I do eat“. 2)

Für seine humoristische Gemütsanlage spricht auch sein ausgeprägter Sinn für das Burleske. – „Der Humorist liebt auch die Posse“.3) Das zeigt sich nicht nur in seinen burlesken Dichtungen, sondern tritt auch in seinem Leben häufig hervor. Schon in der Schule bewies er seine Vorliebe für Parodien und Karikaturen und ist auch als Urheber von „practical jokes“ bekannt.4) Die Karikatur, in der er Macbeth als Metzger darstellt mit zwei blutigen Messern in der Hand und Lady Macbeth neben ihm als Metzgerin, die ihm auf die Schulter schlägt, um ihn zu seinem blutigen Werke anzufeuern, sowie die Parodie auf „Violets, deep blue violets“, die er als „Cabbages, bright green cabbages“ wiedergab, gehören zu seinen frühesten Erzeugnissen.5) Sein ganzes Leben lang verliess ihn nicht diese „love of buffoonery“, von der uns seine Biographen ergötzliche Beispiele berichten. Ferner besass Th. die Kunst der komischen Nachahmung, die auch so viele seiner Figuren zeigen. Seine Gewandtheit im „impromptu rhyming was great and brilliant and his fondness for this sort of exercise most constant. He was rhyming and fooling from his school-days to the last day of his life“.5) Seine Neigung für „puns“ kann er nicht immer unterdrücken, wie er selbst gesteht, und die zahleichen Wortspiele in seinen Werken beweisen uns seine Vorliebe und Meisterschaft auf diesem Gebiete. Von seiner allzeit wachen und überall hervorspringenden Neigung für „humourous things“ und einer damit verbundenen, immer abschweifenden Gemütsanlage gibt folgende Stelle aus einem Brief aus Irland einen deutlichen Begriff: „What nonsense is all this to write, but I just wanted, however far, to shake hands with somebody accross the water. Your uncle's letter I have sent off with my card, pronounced kyard stuff

there I go again Well! – there I go

1) X. 240. 2) Melv. II. 57. 3) Vischer, Ästh. I. 457. 4) Vgl. Melville I. 26 ff.

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again – it is a queer state of mind, to be shure“.1) Seine Tochter kann sich gar nicht vorstellen, dass Th. sich einmal an seinen Schreibtisch gesetzt haben sollte, ohne etwas zu schmunzeln und zu lächeln, und meint, dass ,,his natural buoyany and love of humourous things assuredly helped to carry him forwards. He sometimes seems almost to reproach himself, for being distracted and amused by the fancy of the moment“ 2)

Seine Scherze machte er so, nicht nur wenn er bei guter Laune war, sondern, als echter Humorist suchte er immer den Dingen die beste Seite abzugewinnen. „Glücklich

„ ist, wer vergisst, was doch nicht zu ändern ist", könnte man in mancher Beziehung seinem Leben als Motto setzen, und in diesem Sinne klingt auch die für ihn so charakterische „Ballad of Bouillabaisse" aus:

I drink it as the Fates ordain it.
Come fill it and have done with rhymes:
Fill up my lonely glass, and drain it
In memory of dear old times.
Welcome the wine whatever the seal is;
And sit you down and say your grace
With thankful heart, whate'er the meal is.

Here comes the smoking Bouillabaise“.8) In einem Briefe aus Weimar suchte er sich mit viel Humor über eine unglückliche Liebe wegzuscherzen.4) Als seine Gesundheit schwächer wurde, und eine Unannehmlichkeit die andere nach sich zog, bringt er es fertig, noch Karikaturen von sich zu entwerfen, von denen eine die Unterschrift trägt: „Long Face“.5)

Diesem philosophischen Optimismus steht jedoch, und das vervollständigt den Charakter des Humoristen, eine gewisse Traurigkeit gegenüber. „But as with every true humourist, the keynote of his character is sadness“.5) Mr. Venables scheibt in einem Briefe: „I once told him that the basis of his character was religious sentimentality, and he

1) V. XXIV. 2) V. XXIII. 3) XIII. 64. 4) Vgl. Schaub 88. 5) XI. XXX.

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